Unser Alltag ohne Kindergarten

Nun ist die Entscheidung also nach einem langen Weg gefallen und ich bin mit beiden Kindern zu Hause. Mehr oder weniger allein. Denn mein Mann arbeitet Vollzeit. Mal sind wir mehr allein, mal weniger. Das kommt immer auch darauf an, wie wir familiär gerade aufgestellt sind, wie es uns selbst geht und ob wir bereit sind in die Vollen zu gehen, oder lieber zu Hause vor uns hin tüfteln.

Unser Alltag ist vielschichtig, hat zwar auch immer wieder kehrende Ereignisse, die unserer Woche einen Rahmen geben, es gibt aber auch viel Platz für spontane Ausflüge, für gemeinsam entschiedene Unternehmungen oder für Spieldates, die sich aus dem Tag heraus ergeben. Wir haben ein paar Wochen gebraucht, um uns eine neue Routine zu schaffen und um herauszufinden, wer was braucht im gemeinsamen Alltag zu viert, bzw. zu dritt. Von Woche zu Woche wurde es einfacher. Klarer. Erst plante ich zu viele Verabredungen, aus der Angst heraus, unser Großer bekäme sonst nicht genug soziale Kontakte. Als sich herausstellte, dass uns alle das sehr anstrengte, die Spieldates so an Qualität verloren und unsere Söhne, vor allem der eine, schnell überreizt waren, versuchte ich, weniger volle Wochen zu planen und fiel von der anderen Seite des Pferdes herunter. Die Tage waren zu lang, dem Großen fehlte der Input von außen und der Kontakt zu den Freunden wurde sogar von ihm erfragt. Er liebt die Balance zwischen das Haus verlassen und Menschen sehen, Dinge unternehmen und das zu Hause sein, lange zu spielen, nicht gehetzt zu werden und sich in seine Beschäftigung vertiefen.

Also suchte ich die goldene Mitte und fand für uns eine gute Struktur. Ein Maß zwischen Aktion und Ruhephasen.  Zwischen Menschen treffen und zu Hause spielen, Bücher lesen und gemeinsam den Alltag gestalten. Ich fand heraus, dass es für uns ratsam war, eine Aktivität am Tag zu planen, entweder am Vormittag, oder am Nachmittag. Den Rest des Tages hielten wir uns offen, um auf unsere spontanen Gefühle und Launen reagieren zu können. Die morgende beginnen langsam. Ohne Termindruck. Ohne Stress. Die Spielsachen vom Vortag sind wieder interessant und erstmal wird ausgiebig gekuschelt, gespielt, entdeckt, gelesen und gefrühstückt. Davor passiert hier wenig. Diese Zeit, um im neuen Tag anzukommen und in eine neue Runde zu starten brauchen wir alle gleichermaßen. Dies war auch die stressigste Zeit, als wir noch in den Kindergarten gegangen sind. Jeder morgen sorgte für Stress und Konflikt und so starteten wir alle ungut in den Tag- was wir nun geändert haben. Uns allen zuliebe.

IMG_4067.JPG

 

Wir suchten eine Balance zwischen dem Sehen von Gleichaltrigen für die Jungs, Freundinnen für mich, Treffen mit Familienmitgliedern und Dingen, die im Alltag einfach erledigt werden müssen. Wir gehen also zusammen einkaufen, Wäsche waschen, kochen, backen, Zimmer aufräumen und den Garten gestalten. Ich lernte Geduld zu haben. Dass die Dinge nun langsamer von statten gingen, dass die Kinder viel Raum brauchen, um aus diesen Aktivitäten einen Mehrwert zu schöpfen und das Stress und Hektik Gift für unser Zusammenleben waren. Ich beziehe sie überall mit ein und lasse sie selbst so viel es geht probieren, helfen und unterstützen.

Wir lernten, zu entschleunigen. Wir lernten, ja zu sagen. Zu Omas, die die Kinder gerne nehmen, zu neuen Kontakten, zum freien Leben und lernen. Mittlerweile sind wir sehr angekommen, lieben es, selbstbestimmt unseren Tag zu gestalten und haben eine gute Balance gefunden zwischen „uns mit Leuten umgeben“ und „für uns selbst sein“.

IMG_4087.JPG

Unser Tag wird strukturiert durch die fast dreistündige Mittagspause des Papas, die wir mit gemeinsamem Essen und einem Mittagsschlaf für den kleinen, bzw. Bücherles- und Kuschelpause für den Großen gestalten und uns selbst gegenseitig Zeiten zum erholen und verschnaufen verschaffen.

Wir haben also jeden Tag einen Vormittag zum gestalten und einen Nachmittag, bis der Papa von der Arbeit zurück ist. Und wir haben einen freien gemeinsamen Nachmittag die Woche, wo der Papa zuhause ist und ansonsten ein paar feste Verabredungen, die jede Woche fix sind, wie jeweils einen Vormittag mit der einen und einen Nachmittag mit der anderen Oma. Außerdem sind wir sehr dankbar um unsere besten Freunde, die selbst auch kindergartenfrei leben und deren Kinder sich sehr gut mit unseren verstehen. Diese treffen wir wöchentlich. Außerdem hat unser Sohn noch drei andere Freunde, die er gerne immer wieder in regelmäßigen Abständen trifft und wir unternehmen viel mit Tanten und Onkels, wie gemeinsame Abendessen oder Seetage. Diese Kontakte reichen meinem Sohn momentan aus, und auch der kleine Bruder kommt in Form der kleinen Geschwisterkinder unserer Spieldates auf seine Kosten. Mein großer Sohn liebt „eins zu eins“ Kontakte und fühlt sich in großen Gruppen nicht so gut aufgehoben, wie mit einem Spielpartner für sich. Ich verstehe ihn. Ich bin genauso. Und alle, die Angst haben, dass er das ja schnell lernen muss, bevor er in die Schule kommt, wir glauben mit Druck lernt es sich schlecht bis gar nicht und mit Zeit passiert vieles von alleine. Wir sind also entspannt 😉 Auch sind wir Mitglieder in einer „Kindergartenfrei- Community“, die über Facebook entstanden ist und sich im wahren Leben als sehr schöne Möglichkeit herausgestellt hat, Gleichgesinnte zu treffen und sich zu vernetzten. Hieraus entstand eine Whatsappgruppe, in die jeder schreiben kann, der eine Unternehmung plant und es sind schon schöne Ausflüge und eine Schulgründerinitiative daraus entstanden.

IMG_4179.JPG

Wer also ohne Kindergarten lebt und sich nach Kontakten sehnt, sowohl für sein Kind, als auch für sich selbst, dem kann ich wärmsten die Facebookgruppen zu diesem Thema empfehlen, zu finden unter: facebook.com/groups/kindergartenfrei.org oder auf der gleichnamigen Website Kindergartenfrei.org nach Inspirationen suchen.

Wer mehr über unseren Alltag wissen möchte und wie wir uns jahreszeitlich unseren Alltag gestalten und unsere Entwicklungen miterleben möchte, der darf mir gerne auf Instagram folgen unter: frei und geborgen

Ansonsten werde ich nun noch ein paar Bilder sprechen lassen und wünsche euch einen wunderschönen Tag. Hört auf euer Herz und euren Bauch und verabschiedet euch von Gedanken wie: „Ich kann meinem Kind zu Hause nicht gerecht werden“, „Ich kann ihm nicht beibringen, was die Kita ihm beibringt“ oder „Aber das macht man doch so“.

Findet euren eigenen Weg, der auf euch und eure Kinder passt. Der kann ganz anders aussehen, als unserer, jede Familie funktioniert anders, jede Familie hat andere Bedürfnisse und eine andere Zusammensetzung, daher wird auch jede Familie ihre eigenen Entscheidungen treffen. Wichtig ist nur, dass jeder in genau dieser Familie mit diesen Entscheidungen glücklich ist.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: